Tollwut: Notfallmaßnahmen nach Tierbiss
Tollwut ist eine seltene, aber äußerst ernsthafte Viruserkrankung, die durch den Speichel infizierter Tiere übertragen wird. In Deutschland kommt Tollwut bei Wildtieren wie Fledermäusen, Füchsen und Waschbären vor. Nach einem Tierbiss ist schnelles Handeln entscheidend, denn eine Post-Expositions-Prophylaxe kann die Erkrankung verhindern. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Maßnahmen unmittelbar nach einem Tierbiss erforderlich sind.
Erste Maßnahmen nach dem Tierbiss
Unmittelbar nach einem Tierbiss sollten Sie die Wunde gründlich reinigen. Waschen Sie die betroffene Stelle mindestens fünf Minuten lang mit Wasser und Seife. Dies reduziert die Viruslast erheblich. Anschließend desinfizieren Sie die Wunde mit einem Desinfektionsmittel, das Jod oder Alkohol enthält. Vermeiden Sie es, die Wunde zu verbinden, solange die Desinfektion noch wirkt.
Danach sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen oder die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen. Der Zeitfaktor ist bei Tollwut entscheidend, denn je schneller die Prophylaxe eingeleitet wird, desto höher ist die Erfolgschance. Bringen Sie Informationen über das Tier mit, falls möglich: Art, Verhalten, Aussehen und ob das Tier zu jemandem gehört.
Beachten Sie, dass auch bei oberflächlichen Kratzer oder Bissverletzungen, die die Haut durchbrochen haben, eine ärztliche Bewertung notwendig ist. Manchmal sind Bisse von kleinen Tieren nicht sofort sichtbar.
Ärztliche Behandlung und Prophylaxe
Der Arzt wird die Bisswunde klassifizieren und entscheiden, ob eine Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) erforderlich ist. Diese besteht aus zwei Komponenten: der Tollwut-Immunglobulin-Injektion und einer Serie von Tollwut-Impfungen. Die Immunglobuline werden direkt in und um die Wunde herum injiziert, um das Virus sofort zu neutralisieren. Die Impfserie wird an den Tagen 0, 3, 7 und 14 durchgeführt.
Es ist wichtig zu wissen, dass die Prophylaxe nur wirksam ist, wenn sie zeitnah eingeleitet wird. Idealerweise sollte sie innerhalb von 24 Stunden, spätestens aber innerhalb von 14 Tagen nach dem Biss beginnen. Nach dieser Zeit ist eine Prophylaxe in der Regel nicht mehr sinnvoll.
Zusätzlich zur Tollwut-Prophylaxe prüft der Arzt auch den Tetanusschutz. Informationen zum Tetanus und zur Impfung finden Sie in unserem Ratgeber Tetanus: Impfschutz und Wundbehandlung. Eine Tetanus-Auffrischung kann nach einem Tierbiss ebenfalls notwendig sein.
Besonderheiten und Risikogruppen
Bestimmte Personengruppen haben ein erhöhtes Tollwut-Risiko und sollten sich vorsorglich impfen lassen. Dazu gehören Tierärzte, Forstarbeiter, Laborpersonal und Reisende in Länder mit hohem Tollwut-Vorkommen. Eine Vorimpfung vereinfacht die Nachimpfung nach Exposition.
Besonders kritisch sind Bisse im Gesicht, am Hals oder an den Händen, da das Virus von dort schneller ins Zentralnervensystem gelangt. Auch mehrere Bissverletzungen erhöhen das Risiko. Bisse von Fledermäusen erfordern besondere Aufmerksamkeit, da diese Tiere häufig Tollwut-Viren tragen und ihre Bisse oft übersehen werden.
Falls das verdächtige Tier noch erreichbar ist, kann eine tierärztliche oder veterinärbehördliche Untersuchung durchgeführt werden. In einigen Fällen wird das Tier zur Beobachtung eingefangen oder getötet, um Tollwut auszuschließen. Dies sollte jedoch nur von geschultem Personal erfolgen.
Tollwut ist zwar selten in Deutschland, aber absolut ernst zu nehmen. Jeder Tierbiss erfordert ärztliche Bewertung. Mit schneller Reaktion und korrekter Prophylaxe kann die Erkrankung zuverlässig verhindert werden. Zögern Sie nicht, medizinische Hilfe zu suchen, wenn Sie gebissen oder gekratzt wurden.
Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ihren Arzt.